Ratgeber

Ab welchem Alter welche App?

WhatsApp, TikTok, Instagram, Fortnite, Roblox: die wohl häufigste Elternfrage im digitalen Alltag. Dieser Überblick nennt für die bekanntesten Apps ein sinnvolles Mindestalter und erklärt, worauf es dabei ankommt. Die Werte orientieren sich an der PEGI-Alterskennzeichnung und an dem, was Schweizer Fachstellen empfehlen.

Kurz gesagt

  • Messenger & Social Media (WhatsApp, Instagram, TikTok, Snapchat …): frühestens ab 13, am besten begleitet.
  • Spiele: nach dem PEGI-Alterskennzeichen (etwa Minecraft ab 7, Fortnite ab 12). Chat und In-App-Käufe fallen oft zusätzlich ins Gewicht.
  • Das Alter ist nur ein Anhaltspunkt. Wie reif ein Kind ist und wie gut es begleitet wird, zählt mehr.

Worauf es wirklich ankommt

Ob eine App für ein Kind heikel ist, hängt weniger von ihrem Namen ab als von ein paar konkreten Eigenschaften. Diese fünf lohnt es sich bei jeder App zu prüfen. Sie erklären auch, warum die Altersangaben weiter unten so ausfallen:

  • Kontakt durch Fremde. Chats, offene Communities oder Freundschaftsanfragen ermöglichen, dass Unbekannte ein Kind anschreiben. Das ist das grösste Risiko in Bezug auf Belästigung und Anbahnung (Grooming).
  • Unpassende Inhalte. Gewalt, Angst, sexualisierte, extreme oder manipulative Inhalte. Besonders dort, wo Nutzer die Inhalte selbst erstellen, kann keine Plattform lückenlos moderieren.
  • Kostenfallen. In-App-Käufe, Spielwährungen und Lootboxen sind oft gezielt so gestaltet, dass sie zum Kaufen drängen. Manche arbeiten mit zufallsbasierten Elementen ähnlich dem Glücksspiel.
  • Sog-Design. Endlose Feeds, automatisches Weiterspielen, Streaks, Wartezeiten und Belohnungsschleifen sollen die Nutzungszeit verlängern und das Aufhören erschweren.
  • Vergleich & Selbstbild. Geschönte Bilder, Likes und ständige Selbstdarstellung können in einer sensiblen Entwicklungsphase auf Selbstwert und Körperbild drücken.

Messenger & Social Media: frühestens ab 13

Die meisten sozialen Netzwerke und Messenger erlauben eine Anmeldung laut ihren eigenen Nutzungsbedingungen erst ab 13 Jahren. Diese Linie teilen auch Schweizer Fachstellen wie Pro Juventute und die nationale Plattform Jugend und Medien. Sie raten zusätzlich zu einem eher späteren, begleiteten Einstieg, abhängig von der Reife des Kindes. Wir schreiben deshalb „frühestens ab 13". Tippe auf einen Eintrag für die Details.

ab 13 WhatsApp
Über Gruppen und weitergeleitete Bilder, Videos und Kettenbriefe verbreiten sich Inhalte ungefiltert und schnell; auch Unbekannte können anschreiben. Begleitung hilft dem Kind, den Umgang mit Gruppendruck und dem Weiterleiten zu üben.Kontakt · Inhalte
ab 13 Instagram
Der Feed ist auf möglichst lange Nutzung ausgelegt. Dazu kommen Vergleichs- und Selbstdarstellungsdruck durch geschönte Bilder sowie Werbung und teils unpassende Inhalte in den Empfehlungen.Sog-Design · Vergleich · Inhalte
ab 13 TikTok
Der Algorithmus erkennt sehr schnell, was fesselt, und spielt endlos weiter. Das macht das Aufhören besonders schwer. Junge Nutzer können dabei auf unpassende oder manipulative Inhalte stossen.Sog-Design · Inhalte
ab 13 Snapchat
Nachrichten verschwinden wieder, was für Eltern wenig nachvollziehbar ist. Eine Karte zeigt Freunden den Standort, und Fremde können Kontakt aufnehmen. Über „Streaks" entsteht Druck, täglich aktiv zu sein.Kontakt · Sog-Design
ab 13 Discord
Offene Server sowie Text- und Sprachchats, in denen Kinder leicht mit Fremden in Kontakt kommen. Wie stark moderiert wird, hängt stark vom einzelnen Server ab. Am besten nur begleitet und mit strengen Privatsphäre-Einstellungen nutzen.Kontakt · Inhalte
ab 13 Telegram
Wenig moderierte, teils sehr grosse Kanäle, über die ungefilterte Inhalte und Kontakt durch Fremde leicht möglich sind.Kontakt · Inhalte
ab 13 Facebook
Kontakt durch Fremde, viel Werbung und teils unpassende Inhalte. Für Kinder heute wenig relevant, aber oft vorinstalliert.Kontakt · Inhalte
ab 13 X (Twitter)
Weitgehend ungefilterte, teils drastische Inhalte und sehr einfache Kontaktaufnahme durch Fremde.Inhalte · Kontakt
ab 13 Pinterest
Endlose Bilderfeeds mit Vergleichsdruck; teils heikle Inhalte rund um Körperbild und Ernährung tauchen in den Empfehlungen auf.Vergleich · Inhalte
ab 13 BeReal
Die tägliche Aufforderung zum sofortigen Foto erzeugt Gruppendruck; Aufnahmeort und Kontakte werden geteilt.Sog-Design · Kontakt

YouTube: begleiten oder YouTube Kids nutzen

Der Hauptdienst von YouTube gibt sich ab 13, empfiehlt aber automatisch immer weiter und zeigt auch Werbung und Inhalte, die nicht für Kinder gedacht sind. Für jüngere Kinder eignet sich die separate App YouTube Kids besser. Ältere Kinder profitieren vom eingeschränkten Modus und von Gesprächen darüber, was der Algorithmus als Nächstes vorschlägt.

Spiele: PEGI plus Chat und Kosten mitdenken

Bei Games gibt das europäische PEGI-System einen guten Anhaltspunkt. Es kennzeichnet Spiele nach ihrem Inhalt (Gewalt, Angst, Schreckmomente), nicht nach dem Schwierigkeitsgrad. In der Schweiz ist die sichtbare Altersangabe seit dem 1.1.2025 im Bundesgesetz über den Jugendschutz in Film und Videospielen verpflichtend. Wichtig: PEGI bewertet vor allem den Spielinhalt. Online-Chat mit Fremden und In-App-Käufe stehen auf einem separaten Hinweis und sind bei vielen Spielen der eigentliche Grund für Vorsicht.

PEGI 3 Candy Crush Saga
Inhaltlich ist Candy Crush harmlos. Es ist aber gezielt so gebaut, dass man immer weiterspielt: knapp scheiternde Levels, Wartezeiten, Belohnungsschleifen und ständige Kaufangebote. Fachleute für Mediennutzung warnen, dass solche Mechaniken zu langem Spielen und ungewollten Ausgaben verleiten. In-App-Käufe lassen sich in den Geräteeinstellungen sperren.Sog-Design · Kostenfallen
PEGI 7 Minecraft
Kreativ und pädagogisch oft empfohlen (Bauen, Planen, Problemlösen). Aufmerksamkeit verdienen Online-Server mit Chat durch Fremde sowie kostenpflichtige Zusatzinhalte.Kontakt (online) · Kostenfallen
ab 8 Roblox
Roblox ist weniger eine einzelne App als eine ganze Plattform mit über 40 Millionen Spielen, die Nutzer selbst erstellen. Das lässt sich nicht lückenlos moderieren: Kinder können auf unpassende, gewalthaltige oder sexualisierte Inhalte stossen und über den Chat von Fremden angeschrieben werden. Dazu drängen manipulative Mechaniken und die Spielwährung Robux zum Geldausgeben. Auch die plattform­internen Alters-Freigaben sind wenig verlässlich; selbst als „ab 5" gekennzeichnete Spiele können heikel sein. Das Schweizer Fernsehen SRF berichtete 2025 über den mangelnden Kinderschutz auf der Plattform. Fachstellen raten zu enger Begleitung, aktivierten Eltern- und Privatsphäre-Einstellungen und einem Konto mit korrekter Altersangabe.Kontakt · Inhalte · Kostenfallen
ab 9 Clash of Clans
Online-Strategiespiel mit Chat und In-App-Käufen; der Aufbau belohnt häufiges, regelmässiges Zurückkehren.Kontakt · Kostenfallen · Sog-Design
PEGI 12 Fortnite
Comichafte, aber ständige Kampfhandlung; dazu Sprach- und Textchat mit Fremden und ein Shop mit wechselnden Angeboten, der zum Kaufen anregt.Inhalte · Kontakt · Kostenfallen

Das Alter ist nur der Anfang

Zwei Kinder im gleichen Alter sind nicht gleich weit entwickelt. Die Angaben oben sind darum Richtwerte und kein fester Stichtag. Worauf es ankommt:

  • Reife zählt mehr als das Geburtsdatum: Kommt dein Kind mit Frust, Werbung, Kaufdruck und Gruppendruck zurecht?
  • Die ersten Wochen begleiten: eine neue App am Anfang gemeinsam nutzen, nachfragen, ausprobieren und die Privatsphäre- und Kauf-Einstellungen zusammen setzen.
  • Im Gespräch bleiben: Dein Kind soll wissen, dass es mit allem zu dir kommen kann, was komisch, unangenehm oder beängstigend war, ohne Angst vor Ärger.
  • Schrittweise mehr Freiheit: Was heute noch begleitet passiert, kann später selbstständig laufen.

Die Angaben sind sorgfältig recherchierte Richtwerte, orientiert an der PEGI-Alterskennzeichnung, den Nutzungsbedingungen der Anbieter und der öffentlich vertretenen Linie Schweizer Fachstellen zur Mediennutzung. Sie sind keine Rechtsberatung. Genannte Marken dienen nur der Orientierung; es besteht keine Verbindung zu den jeweiligen Anbietern.